Community Building wird manchmal als „Teambuilding plus“ bezeichnet.
Das trifft einen wichtigen Punkt: Community Building baut auf dem auf, was Teambuilding leisten kann – und geht einen Schritt weiter. Es richtet den Blick nicht nur auf die Zusammenarbeit, sondern auf die Qualität der Beziehungen, aus denen Zusammenarbeit entsteht.
Das ist besonders interessant für Teams und Organisationen, die sich verändern, wachsen oder mit zunehmender Komplexität und Unsicherheit umgehen müssen.
Teambuilding: Wie werden wir ein gutes Team?
Teambuilding beschäftigt sich mit der Entwicklung einer Gruppe zu einem funktionierenden Team. Ein bekanntes Modell dafür ist das von Bruce Tuckman mit den Phasen Forming, Storming, Norming und Performing.
Teams finden zusammen, klären Rollen und Erwartungen, setzen sich mit Konflikten auseinander und entwickeln gemeinsame Regeln und Formen der Zusammenarbeit.
Dabei geht es letztlich um eine zentrale Frage:
Wie können wir als Team gut zusammenarbeiten und unsere gemeinsame Aufgabe erfüllen?
Community Building setzt an einer anderen Stelle an.
Community Building: Was entsteht zwischen uns?
Community Building nach Scott Peck und Community Building International richtet den Blick zunächst weniger auf die Aufgabe einer Gruppe als auf das Miteinander der Menschen in dieser Gruppe.
Im Mittelpunkt steht ein erfahrungsorientierter Prozess, in dem sich die Qualität der Kommunikation und der Beziehungen verändern kann. Menschen begegnen sich authentischer, hören einander anders zu und können Hindernisse und gewohnte Muster in ihren Beziehungen wahrnehmen und bearbeiten.
Gemeinschaft wird dabei nicht als Zustand verstanden, in dem alle gleich denken oder sich besonders gut verstehen.
Unterschiede bleiben bestehen – aber die Art, wie Menschen mit ihnen umgehen, kann sich verändern.
CBI beschreibt echte Community als eine Erfahrung von authentischer Verbindung, ungewöhnlicher Sicherheit und außergewöhnlichem Respekt. Scott Pecks Definition betont dabei ausdrücklich die Verschiedenheit der Menschen und ihre Fähigkeit, diese Unterschiede zu akzeptieren und zu überwinden, sodass offene und wirksame Kommunikation möglich wird.
Eine gemeinsame Basis entsteht dort, wo Menschen trotz ihrer Verschiedenheit offen miteinander kommunizieren und einander mit Respekt und Sicherheit begegnen können.
Warum „Teambuilding plus“?
Im Community Building geht es deshalb um etwas, das in vielen klassischen Teambuilding-Formaten weniger im Mittelpunkt steht: die Qualität des Miteinanders selbst.
Menschen hören einander genauer zu. Sie werden neugieriger aufeinander. Gewohnte Rollen und Zuschreibungen können sich verändern. Dinge, die zwischen Menschen stehen, können sichtbar und Blockaden losgelassen werden.
Dadurch kann eine gemeinsame Basis entstehen, auf der Zusammenarbeit auch dann möglich bleibt, wenn es schwierig wird.
Gerade in Transformationsprozessen kann das relevant sein: Wenn sich Strukturen, Rollen oder Rahmenbedingungen verändern, reicht es nicht immer aus, Prozesse neu zu definieren. Auch die Beziehungen müssen sich mitentwickeln.
Und genau hier wird Community Building für Organisationen interessant: Gute Zusammenarbeit entsteht nicht allein durch klare Prozesse. Sie hängt auch davon ab, ob Menschen bereit und in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, Informationen zu teilen, Fragen zu stellen, Bedenken auszusprechen und unterschiedliche Perspektiven einzubringen.
Von Verbindung zu Handlungsfähigkeit
Community Building kann dabei Qualitäten stärken, die für Zusammenarbeit und psychologische Sicherheit relevant sind – etwa Vertrauen, Offenheit, gegenseitiges Verständnis und die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven einzubringen.
Psychologische Sicherheit beschreibt dabei die gemeinsame Überzeugung in einem Team, dass es sicher ist, zwischenmenschliche Risiken einzugehen – beispielsweise eine Frage zu stellen, einen Fehler anzusprechen oder eine abweichende Meinung zu äußern. Edmondsons Forschung mit 51 Arbeitsteams zeigte einen Zusammenhang zwischen psychologischer Sicherheit und Lernverhalten; Lernverhalten wiederum vermittelte den Zusammenhang mit Teamleistung.
Für die Organisation bedeutet das ganz konkret:
Menschen sprechen eher aus, was sie sehen, wissen oder befürchten.
Das verbessert den Informationsfluss. Wissen bleibt weniger bei Einzelnen, relevante Hinweise können früher sichtbar werden und unterschiedliche Perspektiven können in Entscheidungen einfließen. Gerade in komplexen Situationen ist das wichtig: Organisationen sind darauf angewiesen, dass die Informationen und das Wissen ihrer Mitarbeitenden tatsächlich in die gemeinsame Arbeit gelangen. Auch Edmondson beschreibt Speak-up und den Austausch von Wissen als zentral für Lernen und Leistung in komplexen, voneinander abhängigen Arbeitszusammenhängen.
Community Building setzt zudem auf Eigenverantwortung: Menschen erleben sich nicht nur als Teil einer Gruppe, sondern als Mitverantwortliche für deren Entwicklung und für die Qualität des gemeinsamen Miteinanders.
Das verändert den Blick:
Nicht nur: Was muss jemand anderes tun, damit es funktioniert?
Sondern auch: Was ist mein Anteil daran, dass wir als Gruppe handlungsfähig bleiben?
Gerade unter Druck kann diese Haltung entscheidend sein. Wenn Vertrauen, offene Kommunikation und gegenseitige Verantwortung vorhanden sind, können Teams schneller auf Veränderungen reagieren, anstatt Energie in Reibung, Absicherung oder Informationsverlust zu verlieren.
Das kann sich langfristig auch auf die Effizienz von Zusammenarbeit auswirken. Nicht weil Community Building automatisch Prozesse schneller macht, sondern weil bessere Kommunikation und weniger unnötige Reibungsverluste die Grundlage dafür schaffen können, dass Zusammenarbeit wirksamer wird.
Ein strukturierter Prozess
Community Building ist kein beliebiges Gesprächsformat und auch nicht einfach eine Sammlung von Übungen.
CBI beschreibt Community Building als einen erfahrungsorientierten Gruppen- und Teamentwicklungsprozess, der nach bestimmten Guidelines und Prinzipien funktioniert. Diese Guidelines gehen auf Scott Peck zurück, der sie über mehrere Jahre aus der Beobachtung von Gruppen entwickelte.
Im klassischen Community-Building-Modell nach Scott Peck werden vier Phasen beschrieben: Pseudocommunity, Chaos, Emptiness und Community.
Die Gruppe durchläuft dabei einen Entwicklungsweg: von einer zunächst oft vorsichtigen und harmonisierenden Kommunikation über das Sichtbarwerden von Unterschieden und Spannungen bis hin zu einer tieferen Form von Gemeinschaft. Die vier Phasen sind dabei nicht als linearer Ablauf zu verstehen; CBI beschreibt vielmehr, dass Gruppen zwischen den Phasen wechseln können.
Eine Besonderheit dieses Prozesses ist seine Intensität.
CBI beschreibt Community Building als einen Prozess, der „time“ verdichtet: Was sich in Gruppen sonst über längere Zeit entwickeln kann, wird in einem intensiven Rahmen innerhalb weniger Tage erfahrbar.
Dass das Format intensive Erfahrungen von Verbindung und Community ermöglichen kann, zeigt auch eine Evaluation von Community-Building-Workshops in Milwaukee. Zwischen 2018 und 2020 wurden 53 Workshops durchgeführt; 942 Teilnehmer füllten die anschließende Evaluation ganz oder teilweise aus. Die Auswertung durch die University of Tennessee zeigte unter anderem, dass eine große Mehrheit der Befragten angab, Community erlebt zu haben, und dass viele den Workshop als wertvoll und für verschiedene Lebensbereiche relevant beschrieben.
Und was bedeutet das für Organisationen?
Community Building will Teambuilding nicht ersetzen.
Ein Team braucht Klarheit über Ziele, Rollen, Prozesse und Verantwortlichkeiten. Es braucht aber auch Beziehungen, Vertrauen und die Fähigkeit, Unterschiede konstruktiv zu gestalten.
Beides wird immer relevanter: Teams, die ihre Aufgaben effektiv erfüllen – und eine gemeinsame Basis, die sie auch durch Veränderung und Unsicherheit trägt.
Für mich liegt der besondere Wert von Community Building deshalb nicht darin, dass es ein „besseres Teambuilding“ wäre.
Sondern darin, dass es eine Ebene berührt, die für Organisationen zunehmend entscheidend wird:
Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Menschen auch dann miteinander verbunden und handlungsfähig bleiben, wenn es schwierig wird?
Denn unter Druck zeigt sich, wie tragfähig Zusammenarbeit tatsächlich ist.
Wenn Menschen einander vertrauen, Informationen teilen, unterschiedliche Perspektiven einbringen und Verantwortung für das Ganze übernehmen, entsteht eine andere Grundlage für Zusammenarbeit.
Community Building schafft dafür einen Erfahrungsraum.
Gleichzeitig arbeitet Common Ground Lab neben Community Building auch mit anderen Methoden, denn nicht jede Herausforderung braucht denselben Ansatz. Je nach Situation, Ziel und Kontext kombinieren wir Community Building mit Methoden aus Organisationsentwicklung, Facilitation, Coaching und Kommunikation.
Quellen und weiterführende Literatur
Community Building International (CBI): Our Method – The Community Building Process
Daugherty, L., Hadjiharlambous, C. S. & Hardy, A. W. (2021). Community Building Workshop Survey Report: Adult Groups.
University of Tennessee, College of Social Work, Office of Research and Public Service.
Tuckman, B. W. (1965). Developmental Sequence in Small Groups.
Psychological Bulletin, 63(6), 384–399.
DOI: 10.1037/h0022100.
Edmondson, A. (1999). Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams.
Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
DOI: 10.2307/2666999.